Hallo,
wir leben seit 3 Jahren getrennt, wohnen nah beieinander und unsere beiden Kinder wechseln wöchentlich. Aufteilung zu gleichen teilen, abgesehen davon, dass die Mutter auch in meinen Wochen das Bringen der Kinder in Kita und Schule übernimmt, da ich selbst in einer Schule arbeite und das durch den späten Start der Waldorf-Kita nicht gewährleisten könnte. Eigentlich hatte sich zuletzt alles wieder beruhigt und ich endlich das Gefühl, dass alles seinen Gang ginge. Dann aber, kurz vor Weihnachten freundliche verpackt in einem Gespräch, die Ankündigung, dass sie ab Januar die Kinder nicht mehr bringen kann, wenn sie bei mir sind. Diese Absprache hatten wir explizit erneuert und ich habe ihre Zusage, dass sie das das letzte Kita Jahr noch komplett übernimmt. Nun das. Auf meine Antwort (in Ruhe per Mail), dass ich wirklich keine Möglichkeit sehe, die Kinder selbst bringen zu können und auf Ihre Zusage angewiesen sei, nur, dass unter umständen einzelne Tage nach Absprache möglich seinen, aber sie das schon ab der ersten Woche im neuen Jahr nicht mehr komplett machen kann.
Nun hatte ich weder die Möglichkeit mit der Kita zu sprechen noch mit meinem Arbeitgeber und darüberhinaus wirklich keine Möglichkeit über mehrere Monate so regelmäßig früh auszufallen. Somit wäre im Grunde meine berufliche Existenz gefährdet. Das wird ihrerseits scheinbar ausgeblendet und sei lediglich mein Problem. Hinzu kommt, dass die einzige Veränderung ist, dass sie ab Januar keinen Job hat und bis zu ihrer neuen Stelle nun betreffende 6 Monate frei hat. Der Wunsch ist also mehr Freizeit und Freiheit zu haben - natürlich auch verständlich, aber mir so die Pistole auf die Brust zu setzen und mich derart in Existenzängste zu drängen ist doch rücksichtslos und gefährdet nicht nur unseren Umgang miteinander, sondern auch die Stabilität für unsere Kinder.
Schon als diese Absprache vor 3 Jahren getroffen wurde (die beinhaltet, dass ich ihr extra dafür Geld zahle monatlich) hatte ich ihr meine Situation genau geschildert und den einzigen Ausweg genannt, dass sonst der Kleine in eine andere Kita wechseln könnte, die schon früh ab 7Uhr auf hat. Nun habe ich genau dies als mögliche Alternative angesprochen, um ihr die Freizeit zu ermöglichen und mir den Erhalt meiner Arbeitsstelle. Sicherlich ist dies ein Akt für den Kleinen, aber er ist Taff, aufgeschlossen und würde das absolut hinbekommen. Ihre Reaktion war hingegen klar: sie würde dem nie zustimmen und wies auf das geteilte Sorgerecht hin, eine Kündigung ist ohne ihre Zustimmung also nicht möglich. Dabei habe ich sogar am 23.12. noch 2 Kitas in unmittelbarer Umgebung erreicht, die uns ab Februar einen Ganztagsplatz anbieten würden.
Ich weiß garnicht wie ich nun reagieren soll, da nun über die Feiertage selbst Beratungsstellen zu haben und alles quasi sehenden Auges in dieses Chaos schlittert.
Daher hätte ich gern mehr Argumentationssicherheit, bin selbst Rat- und Hilflos und mache mir seit Tagen riesige Sorgen, wie sich das auflösen lassen soll.
Vielleicht gibt es ja hier eine zündende Idee oder eine positive Haltung für mich, um noch einmal das Gespräch mit ihr zu suchen.
Vielen Dank im Vorraus.
Guten Abend,
es ist ein guter Schritt nach vorn, sich gemeinsam Hilfe in der Beratungsstelle zu suchen, die ja schon hilfreich tätig war.
Der Tag des Wechsels der Kinder wie auch das Bringen in die Kita sind Themen, die zu klären sein sollten.
Der Wechseltag wird ja sehr unterschiedlich von Eltern festgelegt. Freitag/ Sonnabend/ Sonntag/ Montag kenne ich aus vielen Familien.
Die Problematik des Bringens in die Kita sehe ich da schon als schwieriger an. Wenn ein Beruf es nicht zulässt, ist es schwierig, doch sie hatten ja die Idee mit Kitawechsel. Die Mutter möchte das wiederum nicht.
Wenn es um den Freizeitaspekt der Mutter gehen würde, wäre ja ein Kitawechsel eine Lösung, denn dann könnten sie das ja leisten und sie hätte eine Woche frei und Sie auch.
Es scheint aber gerade schwer, die Kommunikation dahin allein zu führen. Da wird möglicherweise erst die Beratung etwas bringen. Vielleicht hat hier aber noch jemand eine Idee.
Viele Grüße
Claudia Rohde
Hallo.
Vielen Dank für die schnelle Antwort und die versöhnlichen Worte.
Das hat mir zumindest geholfen meine Situation noch einmal für mich klar zu machen und mit einer klareren Haltung in das Gespräch heute zu gehen.
Die Frage nach den Beweggründen und zugrundliegenden Bedürfnissen wurde zunächst jedoch eher als Angriff wahrgenommen, als als versuch zu verstehen. Grund sind wie vermutet das Bedürfnis nach Flexibilität und Freiheit.
Das Gespräch war lang und nicht einfach, aber immerhin weitgehend ruhig. Dafür bin ich sehr dankbar.
Es konnte ein Kompromiss erarbeitet werden, der nur eine Woche im Monat umschließt, also halbiert es meinerseits den Bedarf einer alternativen Lösung die Kinder bringen zu können. Das ist zwar immernoch haarig, aber ich denke, das kann ich umsetzen und meinerseits einen Kompromiss auf meiner Arbeitsstelle erreichen. Leider zerschmetterte sich kurz darauf dieser Kompromiss, da er an eine Bedingung geknüpft wurde, den Wechseltag zu ändern (von Montags, wie worauf wir uns seit der Trennung geeinigt haben, auf Freitag). Der Wunsch wurde mit auch schon im gleichen Gespräch mitgeteilt, wie die Änderung des Bringens der Kinder, die Verknüpfung der beiden Wünsche erschließt sich mir jedoch nicht. Auf nachfrage hin, was das eine mit dem anderen zu tun habe, werden Flexibilität bei Urlaubsplanung und Weiterbildungen genannt. Der Wunsch den Wechseltag zu ändern, wird daran festgemacht, dass die Wochen, in denen die Kinder zu ihr wechseln sehr stressig beginnen und keine Zeit bliebe anzukommen. Aus ihrer Sicht sind Freitage besser, wenn ersteinmal in Ruhe ins Wochenende gestartet werden kann und die kommende Woche vorbereitet werden kann. Mir tut es leid, dass ihre Wochen schlecht starten mögen, ich erlebe den Wechsel in Anbetracht der Umstände als völlig normal und starte andersherum gut mit den Kindern. Wir nehmen uns an dem Tag grundsätzlich nichts zusätzliches vor und haben so genug Zeit zum gemeinsamen Austauschen und Überblick verschaffen für die kommende Woche. Andersherum sehe ich den Freitag als sehr stressig, da wir gern und häufig am Wochenende unterwegs sind. Absprachen und Planung sind so gemeinsam kaum möglich und der Freitag fiele zum Verreisen oder gemeinsame Unternehmungen komplett raus. Aus meiner Sicht gibt es also für mich und die Kinder in meinen Wochen keinen Bedarf zu wechseln. An der Stelle ggf zu ihr anders zu wechseln wäre aus meiner Sicht denkbar, sicher kann man über alternativen sprechen, aber das bewährte System ist grundsätzlich nicht falsch.
Darüberhinaus ist die Verknüfung beider Sachen ein Schlag ins Gesicht für mich, wo wir gerade einen Kompromiss gefunden haben. Es fällt mir schwer hier nicht davon auszugehen, dass es ums Prinzip ginge und/oder Gerechtigkeit eine Rolle spiele, oder aber andere Gründe dahinterstecken, die mir nicht genannt werden.
Ich mache mir Sorgen, dass dies nun gegenüber den Kindern als belastender Wechseltag etabliert wird - derartige Aussagen kamen schon und das sehr in Erwachsenensprache.
Außerdem wurde vorgeschlagen, wir können gern die Kinder neutral befragen lassen, was sie sich wünschen würden. Diese Neutralität sehe ich nicht gegeben und möchte zum einen meine Kinder nicht in die Entscheidungen mit reinziehen, die wir Eltern nicht treffen können und ihnen diese zu überlassen. Zum Anderen unterstelle ich beiden (6und 8Jahre) mangelnden Weitblick über die Umstände und Tragweite dieser Veränderung und sehe es als unsere elterliche Pflicht an, hier miteinander eine Lösung zu finden. Oder sehe ich das falsch?
Es ist leider sehr ernüchternd, dass die mühsam erarbeitete neue Regelung des Bringens der Kinder so schnell vom Tisch gewischt wird und ich nun wieder bei Null dastehe, ohne zu wissen, was im neuen Jahr auf mich wartet.
Da das Gespräch sich darüberhinaus zunehmend zuspitzte, haben wir es an der Stelle beendet und werden eine Fortsetzung bei einer Familienberatungsstelle ersuchen. Dies haben wir in der Vergangenheit bereits für andere Differenzen erfolgreich nutzen können. Jedoch weiß ich nicht, was das für die Zwischenzeit für das Bringen bedeuten wird. Eine Aussage ihrerseits meine erste Woche im neuen Jahr (ab 6.1. sind die Kinder wieder bei mir) betreffend will sie mir in 2 Tagen geben.
Jetzt weiß ich nicht mal mehr, zu welchen Fragen ich da noch Ideen und Ansätze brauche... Es wirkt festgefahren. Ich denke mich bemüht zu haben und mir wird vorgeworfen jeden Kompromiss abzulehnen und mich quer zu stellen. Vielleicht kennen das einige oder gar die Mehrheit, aber bisher haben wir solche Grenzen nicht überschritten, auch weil ich denke, dass ich am Ende zu vielen Sachen eingelenkt habe und wir so immer einen Kompromiss gefunden haben. An dieser Stelle sogar auch, obwohl ich hier kaum Flexibilität habe und über meine Entscheidungsbefugnisse meine Arbeit betreffend hinaus einschnitte hinnehmen werden muss.
Aber beim Wechseltag sollten wir doch reden können, auch wenn hier nicht Einigkeit entsteht, kann darüber doch nicht erpresst werden und meine Abhängigkeit von ihr so ausgenutzt werden, um eigene Wünsche umgesetzt zu bekommen, oder gelten hier meine Meinung und Bedenken zum Freitag garnicht?
Ich hoffe auf baldige Schlichtung durch die Beratungsstelle. Aber vielleicht sieht hier jemand, was ich übersehe, oder wie wir hier wieder von der emotionalen Ebene zurück auf die reine Sachlage kommen können?
Danke.
Hallo NickName,
ich begrüße Sie bei uns im Forum. Mein Name hier ist bke-Ina Schweizer, ich gehöre zum Moderatorenteam.
Sie leben von der Mutter Ihrer Kinder seit 3 Jahren getrennt. Bisher betreuen sie beide die Kinder abwechselnd wochenweise, wobei ihre Ex-Partnerin die Kinder auch in den Wochen, in denen diese bei Ihnen sind zur Schule und in die Kita bringt. Dies läuft, wenn ich Sie richtig verstanden habe, schon eine ganze Weile so. Nun hat Ihnen Ihre Ex-Partnerin vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass sie in Zukunft die Kinder nicht mehr morgens bringen wird. Das bringt Sie in eine sehr schwierige Situation, weil Sie selber früher zur Arbeit müssen und darauf angewiesen sind, dass Ihre Ex-Partnerin die Kinder weg bringt. Ich kann verstehen, dass Ihnen da gerade viele Gedanken durch den Kopf gehen.
Sie haben versucht ruhig mit der Mutter Ihrer Kinder zu argumentieren (schriftlich), was bisher aber nicht zu einer Klärung der Situation geführt hat.
Natürlich ist auch der Zeitpunkt echt schwierig. Über die Feiertage haben die meisten Einrichtungen geschlossen, so dass das Erarbeiten von tragbaren Lösungen und Alternativen zusätzlich erschwert ist. Sie haben für Ihren Sohn einen Wechsel in einen anderen Kindergarten in Betracht gezogen, dies wird jedoch von der Mutter abgelehnt.
Aus der Ferne und ohne Ihren Alltag oder Ihre Abmachungen genauer zu kennen, ist es schwierig hilfreiche und umsetzbare Tipps zu geben. Ein paar Gedanken, die mir gekommen sind, schreibe ich Ihnen auf, weiß aber nicht, ob es Ihnen weiter hilft: Ihre Ex-Partnerin hat das Bedürfnis nach mehr Freiheit und Freizeit, was grundsätzlich - wie Sie auch schreiben - natürlich nachvollziehbar ist. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie das umgesetzt werden könnte, ohne dass Ihre Arbeit bedroht ist. Dazu wäre es hilfreich zu wissen, ob die Kindesmutter tatsächlich so sehr an diesen Zeiten vormittags hängt? Wenn ja, wäre es vielleicht möglich einen Kompromiss zu finden? Zum Beispiel, dass Sie an 2 Vormittagen später anfangen, und Ihre Ex-Partnerin die anderen 3 Vormittage weiter abdeckt? Oder geht es mehr um die Stunden und weniger um die Uhrzeit? Dann wäre es vielleicht möglich dass Sie die Kinder an einem Samstag im Monat zusätzlich betreuen? Oder der wöchentliche Wechsel zu Ihnen einen Tag früher (oder der Wechsel zur Mutter einen Tag später) stattfindet? Natürlich in einem Maß, das auch für Sie selber ok und tragbar ist.
Sie fragen nach einer hilfreichen Haltung. Ich weiß nicht, wie gut die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrer Ex-Partnerin grundsätzlich funktioniert. Ich habe in der Beratungsarbeit mit getrennten Eltern die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich sein kann, zu versuchen, das Verhalten des Gegenübers nicht als Angriff auf die eigene Person oder Situation zu sehen, sondern zu versuchen zu verstehen, welches Bedürfnis hinter dem Verhalten des anderen Elternteils steht. Das heißt nicht, dass man als Ex-Partner dafür verantwortlich ist, die Bedürfnisse des Gegenübers zu erfüllen. Es geht darum zu versuchen, auch in einer konflikthaften und angespannten Beziehung, die Handlungen des Ex-Partners nicht (nur) als persönlichen Angriff zu sehen. Sobald ein Verständnis (das heißt nicht, dass man es toll finden muss, nur, dass man nachvollziehen kann, woher es kommt) für das Verhalten des Gegenübers da ist, ist es einfacher nicht auf Konfrontation, sondern auf Lösungssuche zu gehen.
Soviel erstmal von mir. Vielleicht hilft Ihnen der eine oder andere Gedanke schon etwas weiter. Ich wünsche Ihnen hier weiterhin einen hilfreichen Austausch!
Viele Grüße
bke-Ina Schweizer